OOP 2016

Nach einem Jahr Pause war ich dieses Jahr wieder für fast eine Woche auf der OOP-Konferenz in München.

Meine persönlichen Highlights waren die Keynotes von Sascha Lobo und Ward Cunningham, sowie die Vorträge von Johannes Mainusch IT-Management – Chaos verstehen und verhindern und Gunter Dueck Integration of Everything: Alles wächst zusammen und verlangt neue Fähigkeiten.

Ein weiteres Highlight war das von Johannes geführte Interview mit Gunter Dueck, dem ich als Zuhörer beiwohnen durfte. Das Interview wird in einer der kommenden Ausgaben des OBJEKTspektrum erscheinen.

Was mir nicht so gefallen hat, waren die technischen Vorträge, insbesondere zum Thema Microservices. Jeder Vortrag beginnt im Prinzip damit zu erklären, was Microservices sind, um dann in den verbleibenden 20 Minuten maximal ein oder zwei neue Gedanken zu bringen. Aber vielleicht liegt das einfach daran, dass die OOP schlicht keine reine Programmiererkonferenz ist, sondern sich thematisch auf der Schnittstelle zwischen Technik und Business bewegt. Und dann ist es vielleicht auch genau richtig, neue Konzepte wie Microservices erst einmal grundlegend einzuführen, bevor man in die Details geht. Für mehr Details sind dann andere Konferenzen zuständig.

Abschliessend die für mich vielleicht wichtigste Erfahrung der diesjährigen OOP: Die spannenden Dinge einer Konferenz finden zwischen den Vorträgen oder auf den Abendveranstaltungen statt. Hier lernt man Leute kennen, schüttelt Hände, führt interessante Gespräche und knüpft wichtige Kontakte. Es ist garnicht so wichtig, dass die Vorträge einer Konferenz 100%ig passen. Viel wichtiger ist die Mischung der Menschen, die eine Konferenz besuchen. Und das macht die OOP seit jetzt 25 Jahren richtig, indem sie Programmierer, Coaches, Projektleiter und Manager anspricht und durch ihr abwechslungsreiches Programm dafür sorgt, diese Leute an einen Tisch zu bringen.

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Karma, Zufall oder einfach höhere Wahrscheinlichkeit?

Ich glaube nicht an Karma. Oder doch?

Gestern war ich Rennradfahren und hatte 20 Kilometer vor der Stadt den ersten Platten. Kurzer Reifenwechsel, 5 KM weiter gefahren, wieder platt. Das Problem war, dass ich nur einen einzigen, den jetzt verbrauchten Ersatzschlauch und weder Geld noch Handy dabei hatte. Während ich kurz überlegt hab, was ich jetzt mache, kam mir auf dem Deich ein HVV-Bus entgegen. Ich hab mal testweise gewunken, worauf die Busfahrerin prompt anhielt, mich auf freier Strecke ohne Fahrkarte einsteigen ließ und die 20KM zurück mit zum Hamburger Hauptbahnhof genommen hat. Das Verhalten der Busfahrerin war selbstlos und altruistisch: Ohne selber davon einen Vorteil zu haben, hat sie mir einen riesigen Gefallen getan.

Oder war das einfach Karma? D.h. einfach die Folge davon, dass meine Frau Astrid am Freitag einen Schlüssel an der Alster gefunden hat, daraufhin am Samstag einen Zettel geschrieben hat, auf dem steht, dass der Schlüssel bei ihr abgeholt werden kann und diesen an der Alster ausgehängt hat. Auch hier wieder das gleiche Muster: Selbstloses Verhalten ohne eigenen Vorteil.

Ich glaube immer noch nicht an Karma, aber an Wahrscheinlichkeiten. Wenn mehr Menschen immer wieder etwas tun würden, was für sie selber einfach ist, für andere Menschen aber einen richtig großen Vorteil bedeutet, dann erhöht sich schlicht die Wahrscheinlichkeit, dass einem selber so ein Vorteil widerfährt. Die Tatsache, dass Astrid am Samstag vormittag etwas Gutes getan hat (Zettel aufhängen) und mir am Samstag nachmittag etwas Gutes widerfahren ist (Bus Shuttle in die Hamburger City) war einfach ein schöner Zufall.

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Standish Group 2015 Chaos Report und Microservices

Ich überfliege ja immer mal wieder den Chaos Report der Standish Group. Ein Ergebnis, das mir diesmal besonders aufgefallen ist: Je kleiner das Projekt, desto größer die Aussicht auf Erfolg [1]. So sind nur 2% aller großen Projekte erfolgreich, hingegen werden 62% aller kleinen Projekte erfolgreich abgeschlossen.

Eigentlich keine neue oder wirklich überraschende Erkenntnis, allerdings durchaus bemerkenswert im Hinblick auf die allgegenwärtige Microservice-Diskussion. Jeder Microservice ist per Definition klein. Legt man die Ergebnisse der Studie zugrunde, dann lassen sich 62% aller Microservices erfolgreich entwickeln. Allerdings gilt das nur für den einzelnen Service, der für sich genommen nur wenig Mehrwert liefert, sondern nur im Zusammenspiel mit anderen Services. Offen bleibt also die Frage, wie sich die erhöhte Kommunikationskomplexität Microservice-basierter Architekturen auf die Erfolgsquote auswirkt. Dies wäre eine spannende Kategorie für den Chaos Report 2016.

[1] Die Standish Group definiert ein erfolgreiches Projekt wie folgt: “onTime, onBudget with a satisfactory result”

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